Dass man mit Aktien mehr verdient als mit Anleihen ist eine alte Geschichte, die schon längst auch im Vertrieb von Fondsgebundenen Lebensversicherungen ausgedient hat. Die Rückschläge an den Börsen seit Mitte der 90er Jahre waren zu massiv. “Versicherung“ und „Verlustrisiko“ sind ohnedies Begriffe, die schlecht zusammenpassen. Seit Jahren geht der Trend aus diesem Grund Richtung garantierte Konzepte, deren Anteil am Neugeschäft laufend zunimmt.
Versieht man Versicherungsprodukte mit Garantien bezüglich Ablaufaufleistungen und Höchststand, fallen zusätzliche Kosten an, die das Produkt vergleichsweise teurer machen. An der Weiterentwicklung der bestehenden Garantiekonzepte wird von den Produktentwicklern der Versicherungen ständig gearbeitet. Dadurch versuchen sie den Spagat aus möglichst hoher Partizipation in positiven Aktienmarktphasen bei gleichzeitig möglichst durchgehend kontrolliertem Risiko zu schaffen.
Markus Orasch, Consultant bei Towers Perrin und Autor der Studie erklärt: „Die Versicherungsnehmer haben erkannt, dass es höchste Zeit ist, sich um ihre Altersvorsorge zu kümmern. Angekurbelt wird dieses Thema auch durch die steigenden Anforderungen des Kunden: Gefragt sind Flexibilität, höhere Transparenz und individuelle Konzepte für die Absicherung verschiedenster Szenarien. Und nicht zuletzt: Garantien und Renditen werden wichtiger. Für den Fondpolizzenmarkt sind das gute Perspektiven. Der Trend zu Fondspolizzen wird sich daher in diesem Jahr – wenn vielleicht auch mit moderaten Zuwachsraten – fortsetzen.“
Die Branche konnte sich 2007 nicht beklagen. Wie eine Studie zeigt hat die Lebensversicherungsbranche im vergangenen Jahr die Milliardenmarke beim Neugeschäft mit Fondpolizzen überschritten: Beim Neugeschäft mit fondgebundenen Versicherungen entspricht die Steigerung von 35 Prozent einem platziertem Volumen von 1105 Millionen Euro. 2006 war die Gesamtprämie der Polizzen von 812 Millionen Euro schon 20 Prozent höher als der Vergleichswert aus dem Jahr 2005.
Das starke Wachstum des Vorjahres ist vor allem auf die Produkte gegen Einmalzahlungen zurückzuführen. Sie verzeichnen einen Anstieg um etwa 57 Prozent auf einen Rekordstand von 745 Millionen Euro. Mit 360 Millionen Euro liegen auch die laufenden Prämieneinnahmen höher als in den vorangegangenen Jahren. 2007 entfielen innerhalb der FLV 30 Prozent der neuen Verträge und 51 Prozent der Gesamtprämien auf Fondsgebundene Garantieprodukte. Im Bezug auf Polizzen im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der Fondsgebundenen Garantieprodukte zwar leicht gestiegen, kann aber nicht mit dem Wachstum des vergangenen Jahres mithalten. Auch die aktuellen Zahlen von Skandia bestätigen die generelle Statistik. Parallel zum sinkenden Vertrauen der Anleger in die Kapitalmärkte lagen 2007 die Garantieprodukte, dort am stärksten im Trend: Im vierten Quartal 2007 zum Beispiel repräsentieren Garantieprodukte wie Smart Dolphin und Lady´s First mit 44 Prozent den größten Anteil der Skandia New-Sales. An zweiter Stelle lagen Fondsgebundene Lebensversicherungen ohne Garantie, deren Anteil 27 Prozent ausmachte.
In die beiden Anfang des Jahres aufgelegten Blue-Sheep-Tranchen investierten vier Prozent der Neukunden. Die größte prozentuale Steigerung erzielte der Navigator, bei dem das Kundenvermögen einem vorher definierten Anlagehorizont entsprechend veranlagt wird. Skandia Vorstand Hermann Schrögenauer erläutert: „Der Anteil des Navigator am Neugeschäft konnte enorm gesteigert werden – von den ursprünglicheren zehn Prozent Anfang des Jahres nahm er Ende 2007 bereits über 24 Prozent ein, im ersten Quartal 2008 liege er bereits bei rund einem Drittel. Wir haben 2007 eine knapp 60-prozentige Umsatzsteigerung in diesem Produkt erreicht.“ 2007 wurden fondgebundene Produkte ohne Garantien wieder mehr nachgefragt, nachdem 2006 ein leichter Rückgang in der Gesamtstudie verzeichnet wurde. Ihr Anteil lag heuer bei 29 Prozent (2006: 26 Prozent).
Eine gewisse Marktsättigung macht sich nach einigen starken Jahren im Bereich der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge bemerkbar. Es wurden bereits rund 1,12 Millionen Verträge seit ihrer Einführung Anfang 2003 unterzeichnet. Im Bereich der Zukunftsvorsorge betrug die Jahresprämie 2007 somit nur noch knapp 91 Millionen Euro (106 Millionen Euro). In dieser Zahl sind nur Versicherungsunternehmen berücksichtigt, die neben der Zukunftsvorsorge auch noch weitere Fondsgebundene Produkte vertreiben. Im Bereich der Lebensversicherung mit indexorientierter Kapitalveranlagung konnte man laut Tillinghast hingegen mehr Einmalerläge verzeichnen. Mittels Einmalerlägen wurden hier 378 Millionen Euro eingesammelt. Dies entspricht einem Anteil von 82 Prozent an den Einmalerlägen, die durch Garantieprodukte der exklusiv prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge eingenommen wurden.
Der wichtigste Absatzkanal für die Produktanbieter im Verkauf Fondsgebundener Lebensversicherungen bleibt der freie Vertrieb. Mit einem Anteil von 34 Prozent stellen Makler und ungebundene Strukturvertriebe den bedeutendsten Vertriebsweg im Fondspolizzenmarkt dar. 2007 konnte der Bankenvertrieb wieder deutlich aufschließen: 2006 lag sein Anteil bei 22 Prozent, 2007 konnte er auf 30 Prozent der abgeschlossenen Verträge gesteigert werden. Ob diese Entwicklung auf eine Absatzsteigerung innerhalb der Banken oder auf einen Verkaufsrückgang in freien Vertrieb zurückzuführen ist, geht aus dieser Studie leider nicht hervor.